Sexuellen Missbrauch früh verhindern. Bundesstart des Kita-Präventionsprojektes „Starke Kinder Kiste!“. 

Die Stiftung Hänsel+Gretel, Karlsruhe und das Petze-Institut, Kiel wollen Kita-Kinder in Deutschland vor sexuellem Missbrauch schützen. Mit dem „Präventionsplan für Deutschland“ -unter Schirmherrschaft von Bundesministerin Dr. Franziska Giffey- soll die „Starke Kinder Kiste!“ in rund 5.000 Kitas eingeführt werden und damit 500.000 Kinder erreichen.

„Häufig beginnt sexueller Missbrauch schon im Vorschulalter. Deshalb ist es wichtig, Kinder so früh wie möglich zu informieren und stark zu machen. Kitas sind neben der Familie die erste Sozialisationsinstanz und sehr gut geeignet, den Schutz vor sexueller und körperlicher Gewalt an Kindern zu verbessern“, sagt Jerome Braun von der Stiftung Hänsel+Gretel. 

Mit dem bundesweiten Monitoring 2015-2018 untersuchten der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) den Stand der Entwicklung von Schutzkonzepten in Einrichtungen und Organisationen. Kindertageseinrichtungen unterliegen in Deutschland der rechtlichen Verpflichtung, Beteiligungsmöglichkeiten für die betreuten Kinder zu schaffen und auch einen Schutz vor Gewalt zu gewährleisten.

Die Untersuchung zeigt u.a. auf, dass es trotz einer Anzahl von 22% der Kitas mit einem umfassenden Präventionskonzept nach wie vor an umfassenden Schutzkonzepten und an einer systematischen Herangehensweise jenseits konkreter Verdachtsfälle fehlt. Gleichzeitig haben noch rund 44% der Einrichtungen großen Unterstützungsbedarf, unter anderem in Form von Informationsmaterialien und Leitfäden.

„Die „Starke Kinder Kiste!“ und das „Echte Schätze! Präventionsprogramm“ richten sich genau an diese Zielgruppe, an Kitas, deren Fachkräfte und Eltern, die frühzeitig mit der Ich-Stärkung ihrer Kinder beginnen wollen. Das Projekt kann ein wichtiger Baustein für die Umsetzung der verpflichtenden Kita-Schutzkonzeptionen sein oder für dessen partizipative -Kinder einbindende- Belebung sorgen“, sagt Ursula Schele, vom Kieler Petze-Institut.

Das strukturierte und evaluierte Programm ist im Baukastensystem ganzheitlich in der Kita umsetzbar. Neben den umfassenden Materialien der „Starke Kinder Kiste!“, mit Fachbüchern, Mini-Büchern, CDs, Spielen uvm. ist die Fortbildung für Kita-Fachkräfte und ein Elternabend fest im Konzept verankert. 

Die Stiftung Hänsel+Gretel und Petze wollen in den kommenden acht Jahren etwa 5.000 Kitas und damit mehr als 500.000 Kinder in Deutschland erreichen. Das Netzwerk an Fachberatungsstellen, die alle Kitas zur Umsetzung des Programmes qualifizieren, umfasst bereits 39 Fachberatungsstellen aus 11 Bundesländern. Bereits über 100 Kitas arbeiten aktuell mit der „Starke Kinder Kiste!“, dazu zählt seit wenigen Tagen auch die Kita Wolkenzwerge der pme Familienservice gGmbH, die von Strohhalm e.V. dem Berliner Kooperationspartner  des Programmes beschult wurde.

Ute Paul von Strohhalm e.V. sagt: „Die Verantwortung für den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt können wir nicht Kindern alleine zuschieben. Wir als Präventions-fachstelle sehen deshalb unsere Aufgabe darin, sowohl Eltern als auch pädagogischen Fachkräften Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, damit sie Kinder stärken und vor sexualisierter Gewalt schützen.  Die Entwicklung von Schutzkonzepten beinhaltet das Erkennen von Warnsignalen und Leitfäden für den Kinderschutz. Wir sind sicher, dass die „Starke Kinder Kiste!“ und das „Echte Schätze! Präventionsprogramm“ Kita-Fachkräfte sowie Eltern motiviert, gemeinsam mit den Kindern gute Prävention umzusetzen.“

„Unsere Stiftung Hänsel+Gretel hat das „Echte Schätze! Präventionsprogramm“ von Petze vier Jahre erprobt. Wir möchten gemeinsam mit Petze und bestenfalls flächendeckend mit den Fachberatungsstellen im Bundesgebiet vor Ort ein Fortbildungs- und Unterstützungssystem aufbauen, damit möglichst viele Kindern von der „Starke Kinder Kiste!“ profitieren.

Die direkte Anbindung der Kitas an die Fachstellen vor Ort ist zentral und wird die Nachhaltigkeit der Umsetzung gewährleisten“, verspricht sich Jerome Braun.

Der „Präventionsplan für Deutschland“ sieht vor, dass sich immer drei bis fünf Kitas zusammenschließen und als Verbund eine „Starke Kinder Kiste!“ erhalten. Die Kosten pro Kiste mit entsprechendem Begleitmaterial liegen bei 2.250 Euro. Kitas oder ein „Kita-Verbund“ können ihre eigene Kiste finanzieren oder von einer durch die Stiftung Hänsel+Gretel mit Hilfe von Firmen und Stiftungen finanzierten Kiste profitieren. Dafür werden in den kommenden Jahren 1,7 Mio. Euro benötigt. 500.000 Euro wurden bereits eingeworben und so wird ab sofort begonnen die Kisten in Kitas und in Fachberatungsstellen einzusetzen.

Für Berlin werden heute die ersten fünf Kisten durch den Projekt-Botschafter, Schauspieler Florian Stetter an Strohhalm e.V. stellvertretend für die ersten 25 Kitas in Berlin übergeben. Berliner Kitas können sich ab sofort zusammenschließen und sich über www.haensel-gretel.de für eine der ersten fünf kostenlosen Kisten bewerben.

Bildunterschrift: Ute Paul (Strohhalm e.V.), Stephan Brand (Kita Wolkenzwerge), Jerome Braun (Stiftung Hänsel+Gretel (oben)), Florian Stetter, Schauspieler, Ursula Schele, Pia Zeiher (Petze, Kiel)