Mit der Premiere der biografisch-dokumentarischen Performance „Die andere Seite der Medaille“ wurde am 5. März im Berliner Ballhaus Prinzenallee ein unverzichtbares und zugleich entlarvendes Thema auf die Bühne gebracht: sexualisierte Gewalt im Sport. Das Ensemble um die Schauspielerin und Psychologin Nadine Kösters nutzt die Kraft des Theaters, um ein System sichtbar zu machen, dass viel zu lange im Verborgenen blieb. Dieser fortschrittliche künstlerische Einsatz wurde unmittelbar nach der Aufführung durch Jerome Braun, Geschäftsführer der Deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel, mit dem „Hänsel+Gretel Herzenspreis“ ausgezeichnet.
Das Stück basiert auf einem intensiven, kollektiven Entwicklungsprozess, dessen Fundament reale Interviews mit Betroffenen aus verschiedenen Generationen bilden. Dabei geht es der Inszenierung nicht um die bloße Darstellung einzelner Schicksale, sondern um eine tiefgreifende Analyse der Strukturen. Im Fokus steht die Frage, wie ein Umfeld, das durch extremen Leistungsdruck, bedingungslose Loyalität und emotionale Abhängigkeit geprägt ist, Übergriffe begünstigen oder unsichtbar machen kann. Nadine Kösters und ihr interdisziplinäres Team verweben diese dokumentarischen O-Töne mit körperbetonter Performance und einem eigens entwickelten Soundkonzept, um die Grenze zwischen Leidenschaft für den Sport und systematischer Grenzüberschreitung fühlbar zu machen.
Die Verleihung des Hänsel+Gretel Herzenspreises im Rahmen der Premiere unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz dieser Arbeit. Der mit 5.000 Euro in diesem Fall ausgestattete Preis wird von der Stiftung nicht über ein formelles Verfahren, sondern als direkte Auszeichnung für besonderes Engagement im Kinderschutz und für den konkreten Einsatz der Mittel vergeben. Er würdigt Menschen und Initiativen, die mit Herzblut und Verantwortung dort handeln, wo Aufklärung dringend notwendig ist. Dass „Die andere Seite der Medaille“ den Herzenspreis erhält, ist ein Zeichen der Anerkennung für ein Projekt, das weit über den künstlerischen Rahmen hinausgeht und durch anschließende Publikumsgespräche mit Experten aktiv zur Präventionsarbeit beiträgt.
Die Produktion, die als Eröffnungsstück des F*Festivals im Ballhaus Prinzenallee startete, wurden im März im ACUD Theater fortgesetzt. Gefördert durch die GVL und in Kooperation mit Organisationen wie Safe Sport e.V., zeigt das Projekt eindrucksvoll, dass Kunst ein entscheidender Motor für den gesellschaftlichen Wandel und den Schutz von Kindern und Jugendlichen sein kann.
Bildnachweis: Jan-Peter Schulz