13.10.2014

Nachdem ein Mädchen in Rudolstadt von einem Fremden angesprochen wurde: Elfrun Hübler, Mitarbeiterin für Prävention beim DRK Rudolstadt, zeigt Kindern, wie man sich richtig verhält und im Notfall in den Notinseln Hilfe bekommt

Rudolstadt. Elfrun Hübler hat vier gelbe Bälle mitgebracht. Keine normalen Bälle, sondern solche mit Gesichtern. Lachend, freundlich, ängstlich, wütend. Sie liegen auf dem Boden des Klassenzimmers, darum im Kreis sitzen die Mädchen und Jungen der Klasse 3a der Rudolstädter Grundschule Anton-Sommer. "Ich bin die Frau Hübler, ich bin keine Lehrerin, aber ich spreche mit euch heute über ein ernstes Thema", beginnt sie die Unterrichtsstunde.

Klare Ansagen und Ehrlichkeit

Worum es geht, wissen die Kinder. Sie hatten davon gehört, was einem Mädchen passiert ist: Ein Fremder hat sie im Stadtgebiet angesprochen und festgehalten. Die Schule hat darüber in einem Elternbrief informiert, Lehrer und auch die allermeisten Eltern ­haben mit den Kindern darüber gesprochen. Jetzt sollen sie aus berufenem Munde hören, wie man sich richtig verhält. Dafür war Elfrun Hübler in den vergangenen Tagen in allen Klassen unterwegs. "Ich möchte, dass ihr wisst, wie ihr euch schützen könnt vor Fremden. Denn euer Körper gehört euch", findet die Expertin für Prävention klare Worte. Doch zunächst möchte sie von den Kindern wissen, wie sie sich heute fühlen. Gut, sagen die meisten. "Das ist ein Ferien­gesicht", sagt ein Junge mit Blick auf den lachenden Ball.

Dann steigt sie ein in das Thema. "Das Mädchen war sehr tapfer, es hat alles richtig gemacht, ist nach Hause gerannt und hat es den Eltern erzählt", sagt Frau Hübler und erklärt den Kindern: "Was der Mann getan hat, darf er nicht. Und er weiß das auch. Aber man sieht niemandem an, ob er gut oder böse ist". Die Kinder wissen, dass sie nie zu einem Fremden ins Auto steigen oder mit jemandem mitgehen dürfen. Auch nicht, wenn dieser Jemand ihnen Süßes verspricht oder niedliche Kätzchen zeigen will.

Was aber, wenn doch eine bedrohliche Situation entsteht? "Laut schreien", rät Elfrun Hübler. "Schreit Feuer, Feuer, es brennt. Das ist in jedem Falle besser, als nur Hilfe zu rufen", so ihr Tipp. "Denn Hilfe rufen Kinder auch mal im Spaß beim Spielen. Bei Feuer aber schauen Erwachsene sofort hin und die meisten reagieren auch und helfen", sagt sie. Auch der Satz "Lassen Sie mich in Ruhe, ich kenne Sie nicht", hilft, die Aufmerksamkeit von Passanten zu gewinnen. Das erschrickt die Täter. "Aber sagt nicht: Lass mich in Ruhe. Da könnten Außenstehende meinen, ein Kind hat vielleicht nur Ärger mit seinem Papa und mischen sich nicht ein", gibt sie Tipps. Und damit sich die Kinder auch trauen, wird das dann gleich mal lautstark geübt.

Nein, Angst machen will sie nicht. "Man muss Kindern eine klare Ansagen machen und ehrlich zu ihnen sein, sie verstehen das sehr gut", so die Erfahrung der DRK-Mitarbeiterin, die sich seit 23 Jahren mit dem Thema Prävention beschäftigt. Wenn andere von "schlimmen Sachen" sprechen, die Erwachsene Kindern antun, hält sie davon nichts. Sie nennt die Dinge beim Namen, immer alters­gerecht. "Es passiert sehr selten, aber es kann auch vorkommen, dass es in eurer Nähe Erwachsene gibt, die sagen: Zieh dich aus oder die wollen, dass du sie anfasst. Oder die euch drücken wollen, was euch aber nicht gefällt. So bald ihr so ein komisches Gefühl bekommt, dann dürft, sollt, müsst ihr sagen: Nein, ich will das nicht", erklärt sie den Kindern.

Hilfe, das erfahren die Grundschüler auch, bekommen sie überall dort, wo es das Schild "Notinsel" gibt. Hier finden Kinder Zuflucht vor Gewalt und Gefahr, hier gibt es Menschen, die helfen. 46 dieser "Notinseln" gibt es in Landkreis: Geschäfte, Arztpraxen, Reisebüros, Filialen der Sparkassen, Versicherungen. "Die Mitarbeiter kenne ich alle persönlich, sie wissen, worauf es ankommt", sagt Elfrun Hübler. Hierhin kann man auch kommen wenn man hingefallen ist und ein Pflaster braucht oder den Schlüssel vergessen hat und die Mama anrufen möchte.
Weitere Notinsel-Partner sind jederzeit und herzlich willkommen.

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